Mankind’s Sanity

Diesmal eine fast zehn Jahre alte Kurzgeschichte, die ziemlich genau zum Ausdruck bringt, wie sich die internationalen Sandkastenspiele sich auch heute noch für mich anfühlen. Die Geschichte hat rund 2.300 Wörter, und diesmal ist der gesamte Text im Blogbeitrag. Für die bessere Lesbarkeit gibt es trotzdem auch die Ebook-Variante zum runter laden und verteilen:

Mankinds-Sanity als epub

Mankinds-Sanit als Kindle-mobi

Robert wischte den Schweiß von seiner Stirn und betrachtete zufrieden sein Werk.

“Das ist doch sinnlos”, sagte Lara verächtlich und strich sich ihre Haare aus der Stirn. “Früher oder später bricht der Kahn sowieso auseinander.”

Robert sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. “Etwas mehr Optimismus bitte. Du klingst ja schon wie die Stoas. Wenn der ‘Kahn’ auseinander fällt, sehen wir ganz schön alt aus. Ich meine, mit so viel Nichts um uns herum, wird nichts von uns übrig bleiben, wenn wir das bisschen Hülle nicht halbwegs intakt halten.”

“Natürlich, aber wie hoch ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass so viel von der MANKIND’S SANITY auf einem bewohnbaren Planeten ankommt, dass noch jemand lebendig genug ist, um auszusteigen?“

Robert wusste, dass Laras Skepsis angebracht war. Er hatte keine Ahnung, wie lang sie schon unterwegs waren, außer dass sie mindestens die sechste Generation darstellten. Aber er wusste, dass das Schiff nicht noch einmal so lang durchhalten würde. Er ließ die Schultern nach vorn fallen und atmete einmal heftig durch.

Die Frage ist, ob wir überhaupt noch was passendes finden. Was wir bisher hatten, würde ich nicht gerade Erfolg nennen“, sagte er schließlich.

**

“Kapitän, Kapitän!”

Navigationsoffizier Linus Svenson klopfte aufgeregt an die Tür des Bereitschaftsraumes. Nicht, dass die Tür noch schließen würde, aber die Höflichkeit gebot es, zumindest so zu tun als ob. Wenngleich Svenson deutlich sehen konnte, das Kapitän Forest sich gerade die triefende Nase am Ärmel seines Hemdes abwischte.

“Eintreten!”

Falls er bemerkt hatte, das Svenson ihn schon eine Weile beobachtet hatte, ließ er es sich nicht anmerken.

Svenson salutierte.

“Sir, wir fliegen soeben in ein Sonnensystem, Sir!”

Svenson spürte, wie sich kleine Tröpfchen auf seiner Stirn bildeten, als Forest ihn unverwandt, mit leicht gesenktem Kopf ansah. Ein unbeteiligter Beobachter hätte diesen Blick wahrscheinlich als ‘missbilligend’ beschrieben. Svenson sah es ähnlich und schluckte.

“Sir, nun Sir”, seine Stimme zitterte, “es scheint, dieses System hat Planeten.”

Der Kapitän senkte den Kopf noch etwas tiefer und Svenson starrte auf eine tonsurartig kahle Stelle. “Deshalb ist es ja ein System und nicht bloß eine Sonne”, sagte Forest.

“Sir, genau, Sir.” Svenson rückte sich seine Krawatte zurecht, bis er merkte, dass er sie gar nicht trug. “Sir, die Sache ist die Sir. Sir, einer der Planeten…Verzeihung, Sir.”

Es entstand eine Pause, als Svenson sein Klemmbrett wieder aufhob.

“Also, einer der Planeten scheint, Sir. Also, er scheint, er scheint bewohnbar zu sein , Sir.”

**

Roberts Unterkiefer hing unschlüssig in halbgeöffneter Position herum.
“Was meinst du mit: ‘bis heute?’”

Lara stemmte ihre Fäuste in die breiten Hüften. “Ich meine damit, dass Johanna eine Kommunikation der Stoas aufgefangen hat, wonach wir direkt auf einen bewohnbaren Planeten zusteuern.”

Der unschlüssige Unterkiefer, brauchte noch einen Moment, bis er sich an Roberts nächster Äußerung beteiligen wollte.

“Aber das ist ja phantastisch!” sagte er.

Und auf den vorwurfsvollen Blick Laras hin fragte er: “Wo ist der Haken?”

Sie atmete auf eine Art und Weise aus, die deutlich machte, was sie von Roberts Auffassungsgabe hielt.

“Um etwas von diesem Planeten zu haben, müssen wir landen.”

“Ja. Und?”

“Und was, lernt jeder kleine Engeer, brauchen wir, um Landen zu können?”

“Einen intakten Hitzeschild?”

“Genau! Und in welchem Zustand ist unser Hitzeschild?”

“In einem schlechten?” fragte Robert gedehnt.

“Genau! Und was brauchen wir, um ihn zu reparieren?”

“Ersatz-Hitzeschildkacheln.”

“Genau! Und wer hat die?”

“Kapitän Forest und seine Stoas,” seufzte Robert in einer interessanten Mischung aus Abscheu, Resignation und Stolz auf sein Hintergrundwissen.

“Japp. Und es ist wohl – wie jeder kleine Engeer weiß – ausgesprochen unwahrscheinlich, dass die Stoas uns diese Kacheln geben werden.“

**

“Dann müssen wir uns das Werkzeug eben gewaltsam von den Engeers holen,” schleuderte der Kapitän Svenson flüssigkeitsbewehrt entgegen.

“Sir, im Prinzip müssten die Engeers ein ebenso großes Interesse an einem Intakten Hitzeschild haben wie wir, Sir”, wandte der Navigator ein.

Der Kapitän schnaubte. Seine Nasenflügel flatterten, als hielten sie sich für einen Kolibri und es nur für eine Frage der Zeit, bis sie sich aus der unwirtlichen Umgebung des aknegezeichneten Gesichts befreien konnten.

“Die Engeers haben doch keinerlei Vernunft.“ Er spuckte den Namen aus wie eine versehentlich in einen Apfelkuchen geratene Fischgräte. „Wieso sollten sie ausgerechnet jetzt auf die Idee kommen, uns das Werkzeug zu geben, das wir brauchen, um die Schildkacheln anzubringen? Denen fehlt doch jedweder Verstand. Die raffen doch gar nicht, dass wir ohne den Schild in der Atmosphäre verglühen werden.”

Forest stand auf, drehte energischen Schrittes drei Runden im Uhrzeigersinn um seinen Sessel, machte dann Anstalten sich wieder hinzusetzen, besann sich jedoch im letzten Moment eines Besseren und richtete sich wieder auf. Er nahm Haltung an. Unwillkürlich folgte Svenson seinem Beispiel.

“Svenson, stellen Sie einen Angriffstrupp zusammen. Fünf Kämpfer und fünf Träger. Sie gehen hinein.”

**

“Wo hinein?” fragte Lara ungläubig, als Xaver Miller, der aktuelle Anführer der Engeers mit seinen Ausführungen am Ende war.

“Ins Ersatzteillager”, sagte er, als sei es die selbstverständlichste Sache der Welt.

“Und wie wollen wir das anstellen?” Robert klang ebenso ungläubig wie Lara, allerdings wesentlich ängstlicher.

“Ganz einfach. Ihr zwei schleicht euch mit drei Helfern durch die Lüftungsschächte hinein und schneidet den Boden des Lagers mit dem Schweißbrenner heraus. Bis die Stoas das merken, liegt ihr eine Etage tiefer und damit in unserem Revier. Ich bin mir sicher, sowohl ihr als auch die Kacheln werden das überleben. Unten warte ich mit dem Rest bereits in Raumanzügen. Wir steigen aus und bringen die Hitzekacheln an.

Lara wusste, dass ihre Idee geradezu ketzerisch war, aber sie äußerste sie trotzdem: “Wäre es nicht einfacher, Stoas einfach zu fragen, ob sie uns die Kacheln überlassen? Immerhin wollen sie sicher die Landung auch überleben.”

“Machst du Witze?” Xaver hätte sicher voller Inbrunst geleugnet, dass er in diesem Moment genauso klang wie Kapitän Forest.

“Dieser arrogante Haufen? Die glauben doch, die können alles selbst! Bis wir Forest überzeugt haben, dass seine Leute zu blöd sind, einen Schraubendreher zu halten, sind wir schon ein Aschenebel in der äußeren Ionosphäre.”

Er machte eine Pause, um sich wieder etwas zu beruhigen. “Nein!” fuhr er entschlossen fort, “uns bleibt nur eins: wir müssen handeln.”

**

Forest hatte beschlossen, auf der Brücke auf die Erfolgsmeldung Svensons zu warten. Er beobachtete den Planeten, der immer mehr Platz auf dem großen Frontschirm einnahm. Auf der Konsole, an der er Platz genommen hatte, blinkten verschiedene gelbe Zahlen vor sich hin.

Niemals hätte er zugegeben, dass er keine Ahnung hatte, was sie bedeuteten.

**

Robert sah durch die Lüftungsschlitze. Niemand schien sich in dem Lagerraum aufzuhalten. Vielversprechend standen zehn Paletten mit weißen Keramikkacheln in der riesigen Halle.

Er öffnete den Schacht und sprang heraus. Er streckte sich. Seine Wirbel krachten.

“Pass doch auf”, raunte Lara, “du machst die Stoas noch auf uns aufmerksam.”

“Ich kann nichts dafür. Ich musste mich im Schacht so sehr verrenken. Ich bin keine zwanzig mehr, wie du.”

“Alter Sack! Dafür musste ich die Gasflasche des Brenners hinter mir her ziehen. Nimm endlich mal ab.”

Robert drehte sich zu seiner Kollegin um. Lara hielt eine 15-Kilo-Gasflasche am ausgestreckten Arm aus der Öffnung des Lüftungsschachtes. “Beeil dich! Ich kann sie nicht mehr lange halten.”

Nach zwei weiteren Bedenksekunden rührte sich Robert endlich und nahm die Flasche entgegen. Sie rutschte ihm aus den Händen und krachte zu Boden.

“Na prima!” Lara sprang aus dem Schacht. “Das hätte ich auch allein geschafft. Ich frage mich, warum Miller dich mitgeschickt hat.”

“Weil er nun mal der beste Schweißer ist, den wir haben”, sagte eine Frauenstimme aus dem Lüftungsschacht. Es war Chrystin, die nun ihre Beine herausstrecke und sprang. Federnd landete sie auf dem Boden. “Falls noch Wachen vor dem Eingang stehen, haben sie nichts mitbekommen, sonst wären sie schon hier. Los jetzt.”

Die übrigen beiden Mitglieder der Gruppe sprangen ebenfalls in die Halle. Sie hatten einen weiteren Schneidbrenner dabei. Die Flammen wurden entzündet.

So dicht an den Paletten wie möglich setzten sie an.

“Gut dass das Zeug auf einem Haufen steht, sonst müssten wir viele einzelne Löcher schneiden.“ Chrystin kaute lässig auf einem Tabakblatt. Genaugenommen hatte sie nichts zu tun und hoffte, dass es niemand bemerken würde. Sie ging zum Eingang und lauschte. “Draußen ist es ruhig.”

**

Zufrieden ging Svenson zum Interkom. Es war eine glatte Operation gewesen. Rein und raus. Es gab praktisch keinen Widerstand. Zwei Wachen an der Werkzeugkammer waren schnell überwältigt.

“Wir haben das Werkzeug.”

“S..r ..ut,” knatterte der Lautsprecher. Dass es die Stimme des Kapitäns war, ließ sich nur erahnen. Wüsste Svenson nicht selbst genau, was zu tun war, hätte auch das nächste Kommando nicht verstanden: “Bri…t es z..r L..fts…se.”

“Aye, Sir!” Er salutierte vor dem Interkom. “Auf geht’s Leute! Mir nach zur Luftschleuse.”

Die Gruppe machte sich im Laufschritt auf den Weg durch die langen Gänge.

Sie mussten einige Stockwerke nach unten. Leider funktionierten die Aufzüge nicht, so dass sie die Nottreppen nehmen mussten. Seit der Konflikt mit den Engeers sich zugespitzt hatte, besogten diese sich benötigte Ersatzteile aus anderen Schiffsteilen und reparierten damit ihre eigenen Geräte. Die Stoas hatten leider weder das nötige Wissen noch das passende Werkzeug, um ihre Ersatzteile einzubauen.

Wo kämen wir hin, wenn Engeers losgehen, und sich einfach Ersatzteile aus den Lagern holen könnten? Wenn es nach denen ginge, währen die Vorräte schon seit Generationen aufgebraucht.“ Mit diesen Worten hatte Kapitän Doohan vor vierzig Jahren den entgültigen Bruch besiegelt. Svenson glaubte nicht, dass sich das Verhältnis nochmal normalisieren würde.

Sie kamen am Treppenschacht an. Svenson musste sich nicht die Mühe machen, die Tür öffnen und sichern zu lassen, bevor sie hindurchgingen. Die Metallplatte, die eigentlich die Öffnung verschließen sollte, lag quer im Gang.

Niemand hielt sich dahinter auf.

Die Treppe erweckte ungefähr den selben Grad an Vertrauen, wie die Tür.

“Fischer, Sie gehen vor, ich bilde den Abschluss. Los.”

**

Es lief wie am Schnürchen. Als die Bodenplatte mit den Paletten wie geplant ein Stockwerk tiefer gelandet war, standen bereits einhundert Leute bereit, um die Kacheln zu Schleuse zwei zu bringen. Ausgang eins hätte günstiger gelegen, war aber leider im Gebiet der Stoas. Aber diese Strecke würde man spielend auf der Außenseite des Schiffes zurücklegen können.

Lara beobachtete Chrystin, die immer noch so tat, als würde sie die Lagertür bewachen.

“Hey, Chrystin! Komm, wir müssen noch das Werkzeug holen.”

Schwerfällig richtete Chrystin sich auf. “Ich komme.”

Schnell hatte Lara zehn Helfer zusammen. Bis zur Werkzeugkammer war es nicht weit. Ein sechster oder siebter Sinn warnte sie schon, bevor sie um die letzte Ecke bogen.

Als sie die zwei Wachen – geknebelt am Boden liegend – vor der Tür fanden, stellten sich auch Chrystin die Nackenhaare.

Die Tür stand offen.

“Scheiße!”

Lara rannte hinein, um sich persönlich vom Offensichtlichen zu überzeugen.

“Scheiße!”

Alles Werkzeug war weg. Diese bescheuerten, nichtsnutzigen Mistgauner von Stoas hatten es geklaut.

“Scheiße!”

Sie wusste, das es nun keine Rettung gab.

**

Die Zahlen auf der Amatur blinkten mittlerweile rot, und Forest beschlich das ungute Gefühl, dass er vielleicht doch nicht den einzigen Navigationsoffizier mit der Beschaffungsmission hätte betrauen sollen.

Der vielversprechend blau-grüne Planet auf dem Schirm war mittlerweile so groß, dass nur noch ein Ausschnitt zu sehen war. Er wünschte, er könnte den Zommfaktor auf 1:1 stellen, um sich zu beruhigen.

Das Interkom quakte. Er rannte hin und schlug auf den Annehmen-Knopf.

“Ja”, brüllte er hinein.

“D.. Ka..ln sind w..g!”

“Was?”

“..ie K..chel.. s… weg!”

“Was heißt weg?”

“E.. Loch i.. ..oden!”

“Diese nichtsnutzigen Mistgauner von Engeers!” Forest trommelte auf die Wand ein. “Svenson, wie schalte ich eigentlich die Vergrößerung des Frontschirmes aus? Dieser riesige Planet macht mich nervös.”

“W..che Ve…ßerung?”

“Na den Zoom, der den Planeten näher ran holt, als er eigentlich ist.“

“D… ist sch.. l..ng k…utt!”

“Kaputt? Heißt das, wir sind wirklich schon so nah dran?”

“…..!!!”

“Diese verfickten Engeers! Die haben uns alle auf dem Gewissen!”

Forest setzte sich.

Er spürte, wie es um ihn herum langsam warm wurde.

Jetzt war es wohl zu spät, mit den Engeers zu verhandeln.

Schade, der Planet da unten sah gut aus.

Forest konnte nicht sehen, wie die Hülle auseinanderbrach und das Wort “MANKIND” in mehrere Stücke gerissen wurde.

Erstens befand er sich dafür auf der falschen Seite der Außenwand.

Und zweitens war er innerlich am Kochen.

Ziemlich wörtlich.

**

Glu’glu’k beobachtete fasziniert das Schauspiel am nächtlichen Himmel. Ein glühender Feuerball zog sich durch die sternenklare Nacht. Der Priester hätte bestimmt faszinierende Erklärungen dazu abgegeben, wäre er nicht zwei Tage zuvor am Biss einer Weggra gestorben, ohne einen Nachfolger bestimmt zu haben.

Während der Ball vor sich hin glühte und die Lichter der dahinter liegenden Sterne vor Neid erblassen ließ, spalteten sich weitere Funken von ihm ab. Glu’glu’k gluckerte aufgeregt, als ihm klar wurde, dass die zwei Funken, die er schon Minuten lang besonders fasziniert anschaute, faszinierend direkt auf ihn zu flogen.

Dass er in einer Angststarre gefangen war, bemerkte er erst, als er sich am Rand eines frischen Kraters wiederfand. Der aufgewirbelte Staub setzte sich gerade wieder zur Ruhe.

Er hatte verdamtes Glück gehabt – oder war gerade von den Göttern als der neue Priester auserwählt worden. Nur wenige Schritte näher, und die stürzenden Funken hätten ihn erschlagen.

Neugierig kletterte er in den Krater.

Etwas Dampfendes lag darin.

Er ging noch näher heran.

Das Dampfende war flach und schimmerte, fast wie die Oberfläche eines zugefrorenen Sees.

Schwarze Formen waren darauf.

Noch ein paar zögerliche Schritte weiter, dann stand er direkt davor.

Es war verdamt warm hier.

Es waren zwei Teile, die dort im Krater einhellig nebeneinander lagen. Das eine beherrbergte zwei schwarze Flecken, das andere sechs.

Wäre er einer irdischen Sprache, die auf die lateinische Schrift zurückgriff, mächtig gewesen, hätte er den Flecken eine Bedeutung entnehmen können. So sah er nur Konturen.

“I N,” zeigte das eine Trümmerstück. “S A N I T Y” das Andere.

Ausgehöhlt

Nach langem Zögern wage ich es, mal eine Kurzgeschichte in die Welt zu entlassen. Es ist eine kleine satirische Parabel auf diverse finanzwirtschaftliche Entwicklungen. Es sind rund 30 Manuskriptseiten oder 5.800 Wörter zusammen gekommen. Den Anfang kann man hier lesen. Wer davon nicht abgeschreckt ist, darf gern das unten anhängende ePub runterladen und je nachdem, wie gut es gefällt, an Freund oder Feind weiter verteilen. Weil ich natürlich niemanden zum kriminellen Urheberrechtsverletzer zu machen will, steht der Text unter einer Creative Commons Lizenz und darf unbearbeitet und kostenfrei weiter gegeben werden.

Aufmerksamkeit in Form von (konstruktivem) Feedback zum Text ist als Kommentar zu diesem Posting willkommen. Wer mir seine Aufmerksamkeit in finanzieller Form darbringen will, darf die Geschichte auch gern für knapp einen Euro bei Amazon erwerben. (Davon kommen immerhin knapp 30 Ct. bei mir an.)

Aber genug der Vorrede – Hier ist der Teaser:

 

AUSGEHÖHLT – Von Jens Hartmann

Die Geschäfte laufen schlecht, Frau Bürgermeisterin.“  Blecks stand in leicht gebückter Haltung vor Bürgermeisterin Kemrel und rieb die Hände aneinander. „Es besteht einfach kaum Bedarf an Stein. Wenn das so weitergeht…“ Seine Stimme versiegte wie eine Quelle in großer Dürre.

Die Bürgermeisterin legte die Fingerspitzen aufeinander und führte die Folge von Gesichtsmuskelspielen auf, die von ihren Untertanen üblicherweise als verständnisvolles Mitfühlen interpretiert wird.

„Wir werden da eine Lösung finden.“

Sie betrachtete, wie sich Blecks entspannte. Sie war selbst immer wieder erstaunt, wie sicher sie diese Floskel durch zwei Amtsperioden gebracht hatte. Alles Positive, was nach diesem Satz geschah, wurde ihrer Weisheit zugeschrieben. Alles was sie tun musste, war einen Sündenbock zu finden, wenn mal etwas weniger angenehmes passierte. Bisher war es ihr immer gelungen.

Blecks wurde samt seines beseelten Lächelns von zwei dunkel gekleideten Schränken rückstandsfrei aus Kemrels Audienzzimmer und Gedächtnis entfernt. Kemrel wandte sich dem nächsten Besucher zu.

„Ah, mein lieber Akeram.“

Sie ging dem Stararchitekten Keramias einige Schritte entgegen, und ließ sich zu der Gefühlswallung hinreißen, ihm die freie Hand zu schütteln. In der anderen hielt er einen aufgerollten Bogen Papier.

„Was habt ihr da?“, fragte sie.

„Große Pläne.“

Ausgehöhlt – Kostenlos als ePub herunter laden

Ausgehöhlt – Kostenlos als Kindle-Mobi herunterladen

Die Geschichte für 0,99 € bei Amazon.de kaufen

Let’s Make Money

Gerade beschäftigt mich die Endlichkeit des Wachstums und die Möglichkeiten einer „Post-Wachstumsgesellschaft.“

In diesem Zusammenhang habe ich gerade den Film „Let’s Make Money“ von Erwin Wagenhofer gesehen. Was ist davon haften geblieben?

  • Die Flüchtlinge aus Afrikanischen und Arabischen Staaten liegen nicht uns auf der Tasche – genaugenommen ist es umgekehrt so, dass wir auf ihre Kosten (bzw. die Kosten ihrer Heimatländer) leben. (Aber das ist für mich eigentlich keine neue Erkenntnis, und die, die so eifrig gegen Flüchtlinge wettern werden diese Erkenntnis sicher ignorieren.)
  • Das „internationale Kapital“ wird immer findiger darin, seine Profite nicht nur auf Kosten von Personen zu generieren, über Privatisierungen und „Cross Border Leasing“ werden ganze Staaten quasi enteignet und müssen ihr einstmaliges Eigentum für teures Geld zurück mieten. (Und lassen sich in Gestalt ihrer Führenden Politiker auch noch einreden, dass sie damit ein gutes Geschäft machen.)
  • Letztlich dienen so gönnerisch daher kommende Unternehmungen wie der internationale Währungsfonds und die Weltbank nur den Interessen von Großinvestoren – vornehmlich US-amerikanischen.
  • Im Film nur als Randnotiz, aber für mich tatsächlich die größte Neuigkeit: Im Irak wurden Atom- und Giftwaffen vermutet (mit allen militärischen Interventionen, die folgten), kurz nachdem Saddam Hussein hat verlauten lassen, er wolle Öl in anderen Währungen als US-Dollar verkaufen. – Und implizit, wenn auch nicht direkt ausgesprochen: Die US-Währung ist deshalb so unangreifbar und wird im Gegensatz zum Euro nicht Ziel von Finanzspekulanten werden, weil Öl als Blut des Wachstumskapitalismus ausschließlich in US-Dollar abgerechnet wird.
  • Globale Erwärmung könnte einen größeren Teils dieser Schmarotzer durch einige Meter Meeresanstieg entsorgen – denn viele der Steueroasen, in denen internationale Konzerne und extremreiche Personen ihr Geld parken, bestehen in Form von Inselstaaten wie Jersey oder Kaiman.

Die viel spannendere Frage ist natürlich, was folgt daraus, wenn man das Spiel nicht mitspielen will? – Ein paar erste Gedanken:

  • Geld anzulegen und dafür Zinsen zu erwarten ist von vorn herein als potenziell kriminell einzustufen. Es bleiben wohl nur fast oder gänzlich zinslose Anlagen bei Genossenschaftsbanken oder gar der GLS übrig.
  • Das Problem der globalisierten Finanz- und Warenströme ist für einen einzelnen kaum zu handeln. Staaten tun es nicht, weil sie sich in Klein-Protektionismus ergehen, statt sich gemeinsam das geklaute Geld von den Obszönreichen zurück zu holen. Was aber jeder für sich tun kann ist, sein eigenes Geld so auszugeben, dass sich möglichst wenig davon an den globalen Strömen beteiligt. Also:
    • So viel es geht selbst oder in Nachbarschaftshilfe auf Tauschbasis machen.
    • Insbesondere Lebensmittel und kurzlebige Gebrauchsgüter aus regionaler Produktion kaufen – das stärkt die heimische Wirtschaft auch mehr als brennende Flüchtlingsheime. – Insbesondere, wenn der Spiritus dafür von Walmart kommt.
    • Sachen, die es hier nicht gibt – Kaffee etwa, oder Kleidung aus Baumwolle – wenn schon, dann aus „fair trade“-Quellen mit möglichst wenigen Zwischenhändlern, die die Hand auf machen.
    • Generell lieber teuer und langlebige (Handwerks-)Qualität statt billig aber für den Müll produziert.
    • Ach ja – und natürlich so wenig Öl wie möglich (Was Benzin, Flugreisen und Kunststoffe mit einbeziehen dürfte…)

Ob ich das selbst so hin bekomme? Ich weiß es nicht. Aber ich werde mal versuchen, mich dem in kleinen Schritten anzunähern.

Emotionale Kernspaltung

Das Prinzip der Kernkraftwerke beruht darauf, dass eine Große Menge Energie frei wird, wenn man die Bausteine im inneren eines Atoms dazu zwingt, einander los zu lassen. Diese Energie wird dann profanerweise für nichts anderes als einen überdimmensionalen High—Tech-Tauchsieder benutzt.
Nun kann man darüber streiten, ob die Nutzen der Atomkraft das Risiko eines Super—GAU wert sind. (Ich persönlich bin der Meinung, dass sie es nicht sind. Aber das ist ein anderes und sehr komplexes Thema.) Aber die Kernspaltung birgt eine Geschichte, die schön auf uns Menschen übertragbar ist:

Wir fühlen uns Wohl in unserem Netzwerk an Verbindungen zu Lebewesen, Dingen und Ideen. Sie geben uns Sicherheit und wir halten uns daran fest. Aber wenn wenn wir einige davon loslassen, können wir eine unglaubliche Menge Energie freisetzen.

In jede Bindung stecken wir Energie – meist noch lange nachdem sie für uns jeden Nutzen verloren hat. Oft genug sogar noch lange, nachdem sie schädlich für uns geworden ist, wenn die Aufrechterhaltung der Bundung mehr Energie kostet, als sie bringt. Aber lassen wir dann los? Nein. Wir buttern nur noch mehr Energie in diese Bindung, letztlich nur, weil sie irgendwann einmal wichtig war.

Und wundern uns dann, warum wir jedes Jahr, jede Woche, jeden Tag kraftloser werden.

Lasst uns die Kernspaltung zum Lebensprinzip machen. Ich nehme mir vor, jede Woche einen Loslass-Tag einzuführen und neue Energie frei zu setzen:

  • Ich trenne mich von Gegenständen. Sie zu verschenken bringt Energie in Form von Freude, sie zu verkaufen in Form von Geld.
  • Ich trenne mich von Gewohnheiten, die mir nicht mehr nutzen. Das bringt Enerige in Form von Raum für neue, nützlichere Gewohnheiten.
  • Ich trenne mich von Überzeugungen, die (für mich) nicht (mehr) wahr sind. Zurück erhalte ich Energie in Form von Flexibilität und Offenheit für Ideen, die ich bisher nur deshalb abgelehnt habe, weil sie gegen meine alten Überzeugungen verstießen.
  • Ich trenne mich von Verpflichtungen, die ich vielleicht schon damals nur widerwillig eingegangen bin, die nicht den erwarteten Nutzen entwickelt haben, oder ihren Nutzen mittlerweile verloren haben. Damit schaffe ich Energie in Form von Zeit zur Regeneration und neue, nützlichere Aufgaben.

Ich glaube, das sind die wichtigsten Grundkategorien. Und weil Kernspaltung ihre Energie mit einer mehr oder minder großen Explosion frei setzt, und Explosionen von einem Donner begleitet werden, nominiere ich den Donnerstag als Loslass-Tag.

 

Bildquelle: Freeimages.com | User carloszk • Pic-ID 1426667

Das weiße Blatt

Die Domain chaoscluster.de habe ich vor Urzeiten schon registriert. Ich weiß nicht mehr, wie mir das Wort einfiel. Aber irgendwie passt es zu mir. Etwas schusselig, chaotisch – immer mehr Kram und Projekte, als ich eigentlich bewältigen kann.
Damals habe ich mich noch per ISDN-Adapter ins Internet eingewählt. Heute habe ich eine DSL-Standleitung, über die ich problemlos zwei Spielfilme gleichzeitig streamen kann. Trotzdem habe ich mit der Domain noch nichts richtiges angefangen.
Ich wollte mal eine Welt, ähnlich Terry Pratchetts Scheibenwelt erschaffen, die so heißen sollte. Aber die Idee habe ich nie mit Leben gefüllt. Ein Achtsamkeitspodcast ist gekommen und trotz eines gewissen Erfolges wieder gegangen. Ich habe immer mal wieder private Blogeinträge geschrieben. Aber wen soll das interessieren? Es gab keinen Grund, regelmäßig zu schreiben. Die Artikel veralteten, verwaisten. Also habe ich sie irgendwann wieder gelöscht. So dümpelt die Domain nun auch schon wieder ein Jahr leer vor sich hin.
Nun stehe ich vor der Wahl: Was tue ich damit. Löschen? Als reine Mail-Domain nutzen? Oder etwas von Wert schaffen? Was kann ich der Netzwelt bieten, dass nicht nur das Grundrauschen der Digitalen Desinformation verstärkt?
Themen, zu denen ich immer wieder zurück kehre sind Vereinfachung, Ökologie und Selbstverwirklichung. Manchmal mache ich kleine Fortschritte, dann wieder bleibe ich zumindest Gefühlt für Jahre stehen. Und so bin ich zu dem Schluss gekommen, auf dieser Domain meinen kleinen Kampf mit mir Selbst und meiner Umwelt nach Außen zu tragen. Und wenn es niemanden interessiert, so habe ich zumindest selbst etwas davon, indem mich das Niederschreiben zur Reflexion zwing. Und so bin ich denn nun gespannt, was folgen wird.